StepStone-Studie: Strukturelle Schwächen des deutschen Marktes könnten neue Private-Equity-Chancen eröffnen
Eine aktuelle Analyse der StepStone Group kommt zu dem Ergebnis, dass der deutsche Private-Equity-Markt in der Vergangenheit insgesamt hinter anderen wichtigen europäischen Märkten zurückgeblieben ist. Als Gründe nennt sie unter anderem die starke Abhängigkeit von zyklischen industriellen Endmärkten, darunter ein schwacher Automobilsektor, ein stärker regulierter Gesundheitsmarkt und eine zurückhaltende Konsumnachfrage. Zugleich identifiziert der Bericht strukturelle Wachstumstreiber, insbesondere die Digitalisierung und Modernisierung zentraler Industrien, die Private-Equity-Investoren in den kommenden Jahren erhebliche Investitionschancen eröffnen könnten.
Deutschland bislang unterdurchschnittlich in der Wertentwicklung
Obwohl Deutschland nach Großbritannien der zweitgrößte Markt für Unternehmenskäufe durch Finanzinvestoren in Europa ist und zwischen 2015 und 2023 rund 15 Prozent des europäischen Beteiligungskapitals anzog, blieb die Wertentwicklung deutscher Private-Equity-Investments unter dem europäischen Durchschnitt.
Zudem lag der Anteil verlustbringender Beteiligungen mit 10,7 Prozent deutlich über dem europäischen Mittelwert. Die Studie sieht hierin jedoch nicht nur eine Schwäche, sondern auch ein Indiz für strukturelle Ineffizienzen, die künftig adressiert werden könnten.
Möglicher struktureller Wendepunkt
Die Analyse identifiziert einen potenziellen Wendepunkt für den deutschen Markt, der durch drei zentrale Entwicklungen geprägt sein könnte:
- ein umfangreiches Investitionsprogramm in Höhe von rund 500 Milliarden Euro für Infrastruktur, Verteidigung und industrielle Modernisierung
- einen erwarteten Anstieg europäischer Verteidigungsausgaben auf bis zu fünf Prozent der Wirtschaftsleistung
- eine zunehmende Bereitschaft internationaler Investoren, ihr Engagement in Europa auszubauen
Gleichzeitig weist die Studie darauf hin, dass bislang weniger als fünf Prozent der vorgesehenen Mittel tatsächlich in die Zielbereiche geflossen sind. Entsprechende wirtschaftliche Effekte könnten daher erst in den kommenden Jahren sichtbar werden.
Attraktive Segmente und Erfolgsfaktoren im Markt
Die Analyse zeigt zudem, in welchen Bereichen Investoren derzeit besonders attraktive Chancen sehen:
- Der IT-Sektor gilt als eines der stärksten Private-Equity-Segmente in Deutschland, mit vergleichsweise hohen Renditen und niedrigen Verlustquoten.
- Fonds mit lokaler Präsenz in Deutschland erzielen signifikant höhere Renditen als internationale Wettbewerber ohne eigene Niederlassung im Markt.
- Small-Cap-Fonds haben im Durchschnitt besser abgeschnitten als Mid-Cap- und Large-Cap-Fonds.
- Das stark fragmentierte deutsche Small-Cap-Mittelstandssegment bietet ebenfalls erhebliches Konsolidierungspotenzial. Ein Beispiel ist der Markt für Versicherungsmakler, der rund 46.000 Anbieter umfasst.
Fazit der Studie
Die StepStone-Analyse kommt zu dem Schluss, dass der deutsche Private-Equity-Markt trotz historisch unterdurchschnittlicher Performance in eine Phase struktureller Neupositionierung eintreten könnte. Entscheidend für zukünftige Renditen seien insbesondere lokale Marktkenntnis, aktive Wertschöpfungsstrategien sowie die Fähigkeit, Fragmentierung in konsolidierte, skalierbare Geschäftsmodelle zu überführen.
Über die Studie:
Die Analyse wurde von der StepStone Group im Rahmen einer Untersuchung des europäischen Private-Equity-Marktes erstellt.
