Neue MP-Studie: Europas Industrie vor größtem Deal-Schub seit zwei Jahren – DACH-Region mit deutlichem Aufwärtstrend

  • Industrie-Targets gefragt wie nie: 79% der befragten Private-Equity-Professionals erwarten steigendes Interesse an Industrieunternehmen
  • Dealaktivität zieht an: über 1 Billion Euro Dry Powder, jahrelanger Exit-Stau und LP-Druck treiben die Transaktionserwartungen auf Zwei-Jahres-Hoch
  • DACH dreht nach mehrjährigem Tief: steigende Zuversicht im deutschsprachigen Raum, während Westeuropa unter Zolldruck leidet; Nordics erneut aktivste Region
  • Renditeerwartung sinkt; KI verringert Due-Diligence-Komplexität
  • Fundraising und Fremdkapital bleiben Engpass 

Europas Private-Equity-Investoren stehen vor der aktivsten Investmentperiode seit zwei Jahren – zumindest im Industrieumfeld. Das zeigt der aktuelle MP Industrial Private Equity (MPiPE) Indicator für das erste Halbjahr 2026 von MP Corporate Finance. Für die Studie wurden von dem auf den europäischen Industriesektor spezialisierten Beratungshaus im zweiten Quartal 2026 mehr als 4.000 Senior-PE-Professionals in ganz Europa befragt.

Grund für den Optimismus sei vor allem der strukturelle Zugzwang vieler Investoren: Laut der Studie halten Europas PE-Häuser mehr als 1,1 Billionen Euro an nicht investiertem Kapital – ein erheblicher Anteil davon stammt aus den Jahren 2022 und 2023. Die deutlich gestiegenen Halteperioden von durchschnittlich fünf auf sieben Jahre sowie der signifikante Exit-Druck sorgen für zusätzliche Dynamik. Als Antwort auf diesen Druck gewinnen Continuation Funds zunehmend an Bedeutung – auch wenn dafür meist Bewertungsabschläge von 10-20% in Kauf genommen werden müssen. Angesichts fehlender alternativer Investitionsmöglichkeiten bleibt der Trend zu solchen Strukturen klar im Aufwärtstrend. „Das Umfeld ist nach wie vor nicht ideal, aber der Handlungsdruck auf Seiten der Investoren – vor allem bei Private-Equity-Häusern – ist so hoch wie noch nie. Dry Powder, das seinen Deployment-Horizont überschritten hat, LPs, die Kapital zurückfordern, und ein Rückstau an unveräußerten Portfoliounternehmen, der sich nicht weiter ignorieren lässt: Diese Kombination setzt den Markt unvermeidbar in Bewegung – egal, wie sich die makroökonomischen Bedingungen weiterentwickeln“, ordnet Roman Göd, Gründungs- und Managing Partner bei MP Corporate Finance, ein.

Interesse an Industrieunternehmen auf Rekordhoch – strategische Käufer dominieren  
Im Fokus steht die europäische Industrie: 79% der befragten PE-Professionals erwarten ein wachsendes Interesse der Investoren an Industrieunternehmen. Ein Anstieg von rund 11% verglichen zum zweiten Halbjahr 2025 und der höchste Wert seit zwei Jahren. Das wachsende Interesse an heimischen und europäischen Industrietargets spiegelt sich auch in den Erwartungen an die Deal-Aktivität wider: So rechnen 74% mit einer deutlich steigenden Transaktionsanzahl. Haupttreiber sei laut MP allen voran der enorme Handlungsdruck: „Wer in Sachen Exit zu lange gewartet hat, kommt jetzt auf den Markt“, so Göd. Viele strategische Käufer haben der Studie zufolge bereits die Gunst der Stunde erkannt. So legte der Anteil an Unternehmen, die an Strategen verkauft wurden, um ganze 82% zu, während Transaktionen mit PE-Investoren sowohl auf Käufer- und Verkäuferseite in geringerem Maße stiegen (56%). „Strategische Käufer sind derzeit ein wichtiger Treiber. Durch die Übernahme synergiestarker Wettbewerber versuchen viele Unternehmen das träge organische Wachstum zu kompensieren und sich für die veränderte Wettbewerbslandschaft neu aufzustellen“, so Göd weiter.

DACH-Region zieht an – Westeuropa stagniert 
In Sachen regionaler Unterschiede sticht vor allem die DACH-Region heraus: Nach einem mehrjährigen Tief dürfte sich das Bild laut Studie nun drehen. Dies spiegelt sich auch in der wachsenden Zuversicht in Sachen Deal-Aktivität wider: So rechnen rund zwei Drittel der Befragten (63%) mit einer steigenden Anzahl an Transaktionen in der Region – ebenfalls der höchste Wert seit Beginn der MPiPE-Erhebung vor zwei Jahren. Westeuropa hingegen steht laut den MP-Experten weiter unter Druck: Zollbelastungen und das französische Fiskalumfeld dämpfen die Käuferüberzeugung, selbst wenn Einstiegspreise nachgeben. Wie in den Jahren zuvor führen auch im ersten Halbjahr 2026 die Nordics den europäischen Vergleich an – beflügelt durch massiv steigende Verteidigungs- und Sicherheitsinvestitionen von rund 50 Milliarden Euro, die Kapital in dual-use-fähige Industrieplattformen lenken und Bewertungen in der Region auf hohem Niveau halten. „Die DACH-Region bietet aktuell gute Einstiegsfenster. Die selektive Neubewertung, die wir in Deutschland und der gesamten DACH-Region beobachten, schafft Chancen für Investoren. Vor allem für jene, die neben dem Know-how für operative Wertschöpfung auch die Geduld mitbringen, Unternehmen durch ein anspruchsvolles Umfeld zu navigieren. Top-Performer werden dabei nach wie vor zu Spitzenpreisen gehandelt“, erklärt Gregor Nischer, Gründungs- und Managing Partner bei MP Corporate Finance.

Renditedruck verändert Wertschöpfungsmodell 
Die Zeiten, in denen günstige Finanzierung sowie steigende Multiples für attraktive Renditen sorgten, sind vorerst vorbei. Fremdkapitalkosten liegen inzwischen über 8%, Leverage-Niveaus werden von der Mehrheit der Befragten als weiter rückläufig eingeschätzt. Um Fondsrenditen früherer Jahrgänge zu erreichen, braucht es laut Studie ein EBITDA-Wachstum von 10 bis 12% – und dieses muss operativ erwirtschaftet werden. Zudem werden Earn-out-Klauseln, Convertibles und Rückbeteiligungen – so genanntes Roll-Over-Equity – zu Standardwerkzeugen, um Bewertungslücken zwischen Käufern und Verkäufern zu schließen. „Wer heute noch auf Multiple-Expansion und günstiges Fremdkapital als primäre Renditetreiber setzt, wird enttäuscht werden. Die Fonds, die in diesem Zyklus überzeugen, sind jene, die echtes industrielles Know-how mitbringen und in der Lage sind, ihre Portfoliounternehmen tatsächlich operativ zu entwickeln“, so Nischer weiter.

KI verringert Due-Diligence-Komplexität
Positive Signale erwarten die Befragten in Sachen Due-Diligence-Komplexität. Denn während diese vor allem im vergangenen Jahr in Gesamteuropa gestiegen ist, rechnet nun die Hälfte der Befragten (50%) mit einer Vereinfachung. Der Grund: Künstliche Intelligenz. „Trotz der wachsenden Anforderungen u.a. durch ESG-Regularien, Zollrisiken oder angespannte Lieferketten, erwarten wir, dass der verstärkte Einsatz KI-gestützter Tools den Due-Diligence-Prozess künftig beschleunigen wird. Das ermöglicht Investoren, mehr Transaktionen in kürzerer Zeit zu prüfen“, so Nischer.

Fundraising und Fremdkapital: selektiv, teuer, konservativ 
Wenig Veränderung hingegen zeigt sich im Fundraising: Das Umfeld bleibt weiter angespannt, nur 24% der Befragten rechnen mit einer spürbaren Verbesserung. Weltweit fiel das Fundraising 2025 auf unter 600 Milliarden Euro – den niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Das Kapital konsolidiert sich laut MP vor allem bei großen, etablierten Plattformen. Spezialisierte Mid-Market-Investoren hingegen betreiben einen sehr selektiven Fundraising-Prozess und konzentrieren sich auf einen klar differenzierten Sektor-Fokus oder auf einen operativen Track-Record.

Mit Blick auf die Finanzierung bleibt Fremdkapital der Engpass: Die Mehrheit der Befragten erwartet eine weitere Verschlechterung, sowohl was die Verfügbarkeit (66%) als auch das Leverage-Niveau (74%) betrifft. Private-Credit-Fonds schließen in diesem Umfeld zwar die von Banken hinterlassene Lücke, jedoch stark selektiv und zu deutlich höheren Kosten.

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Über den MPiPE Indicator H1-26:

Für den MPiPE Indicator wurden von MP Corporate Finance im zweiten Quartal 2026 über 4.000 Senior-Professionals von institutionellen Fondsanlegern aus der Private-Equity-Branche zu ihren industriellen Portfolios und dem erwarteten Dealflow befragt. Die Erkenntnisse bilden die Grundlage für den MPiPE Indicator, der die Schlüsselaspekte des Marktes wie Fundraising-Erwartungen, M&A-Prozessdauer, Investmentmöglichkeiten, Deal Flow, Bewertungen und Exits abbildet.

 

Über MP Corporate Finance:
MP Corporate Finance ist die führende, international agierende M&A-Beratung mit Spezialisierung auf den Industriesektor. Als erfahrener Partner begleitet MP mittelständische Unternehmen und Management-Teams, Private-Equity-EntscheiderInnen sowie Unternehmervertraute bei komplexen Transaktionen sowohl auf der Sell- als auch Buy-Side und unterstützt u.a. im Rahmen von Kapitalbeschaffung, Buy-and-Build-Strategien, Carve-Outs oder auch über den gesamten Private-Equity-Lifecycle hinweg. MP wurde in den 1990er Jahren als erstes europäisches M&A-Haus mit einem Sektor-fokussierten Beratungsansatz von Roman Göd und Gregor Nischer in Wien gegründet. Heute beschäftigt das Unternehmen an fünf Standorten weltweit – in Wien, Frankfurt, London, Istanbul und Chicago – mehr als 85 erfahrene Hands-On-Expertinnen und -Experten und stellt somit europaweit das größte Team für Industrial-M&A. Bis heute hat MP mit seinem einzigartigen Sektorfokus mehr als 700 Industrie-Transaktionen von Beteiligungsgesellschaften, mittelständischen Unternehmen sowie Konzernen erfolgreich begleitet. Weitere Informationen finden Sie unter www.mp-corporatefinance.com

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