Private Equity als Schlüssel für Wachstum, Innovation und Beschäftigung: Neues Hintergrundpapier zeigt ungenutztes Potenzial für den Wirtschaftsstandort Deutschland
Der deutsche Mittelstand steht unter erheblichem Transformationsdruck: Demografie, Investitionszurückhaltung trotz hohen Bedarfs und internationale Wettbewerbsdynamiken gefährden Wachstum und Beschäftigung. Ein neues Hintergrundpapier im Auftrag der Deutschen Private Equity (DPE) zeigt auf Basis umfangreicher Daten, welchen messbaren Beitrag privates Beteiligungskapital zur Stabilisierung und Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts leisten kann. Beteiligungskapital stärkt Beschäftigung, Innovation, Internationalisierung und Unternehmensnachfolgen im Mittelstand – bislang bleibt sein Potenzial hierzulande jedoch weitgehend ungenutzt.
Private Equity schafft und sichert Arbeitsplätze
Unternehmen mit Private-Equity-Beteiligung sind nachweislich ein starker Jobmotor: Seit 2016 ist die Zahl der Arbeitsplätze in deutschen Portfoliounternehmen im Schnitt um mehr als 70 Prozent gewachsen, der Umsatz um rund 65 Prozent. Rund 3,5 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten heute in Unternehmen mit PE-Beteiligung. Diese verzeichnen ein um rund 6–7 Prozentpunkte höheres jährliches Beschäftigungswachstum als inhabergeführte Unternehmen.
Gleichzeitig steht der Mittelstand vor massiven Beschäftigungsrisiken infolge ungeklärter Unternehmensnachfolge: Bis zum Ende des Jahres 2029 suchen rund 545.000 der insgesamt 3,87 Mio. mittelständischen Unternehmen in Deutschland eine Nachfolgelösung. Gleichzeitig gewinnt der Trend zunehmender Stilllegungspläne im Mittelstand an Dynamik: 569.000 Unternehmenslenkerinnen und -lenker streben nach dem eigenen Rückzug keine Fortführung des Unternehmens an. Private Equity kann diesen Beschäftigungsverlust begrenzen, indem Unternehmen übergangsfähig gemacht und operativ fortgeführt werden, anstatt vom Markt zu verschwinden.
Bei strategischen Übernahmen durch größere Unternehmen droht ebenfalls oft Stellenabbau, weil zentrale Konzernfunktionen häufig zusammengelegt und Produktionsstätten nicht selten ins Ausland verlagert werden. Auch kann bei einer Eingliederung in eine größere Firmengruppe, die für inhabergeführte Mittelständler typische Unternehmenskultur verloren gehen.
Bislang spielt Private Equity hierzulande in der Unternehmensnachfolge eine untergeordnete Rolle: Weniger als ein Prozent der Übergaben wird aktuell durch PE realisiert. Internationale Vergleiche verdeutlichen den Rückstand Deutschlands: In Schweden wird rund jede siebte Nachfolge durch Private Equity begleitet, in Großbritannien ist PE seit Jahren fest in der Nachfolgelandschaft verankert.
Mehr Investitionen, mehr Innovation, höhere Resilienz
Das Papier zeigt klar: Private Equity erhöht die Investitionskraft von Unternehmen signifikant. PE-beteiligte Unternehmen investieren über alle Größenklassen hinweg rund 20 bis 25 Prozent mehr ihres Umsatzes als eigenständige Unternehmen. Auch in Krisenzeiten bleibt das Investitionsniveau stabil, während andere Unternehmen Investitionen zurückfahren.
Diese Reinvestitionslogik ist entscheidend für die Innovationsfähigkeit. In Deutschland sind Patentanmeldungen seit 2021 rückläufig, insbesondere in technologieintensiven Bereichen. Gleichzeitig sind die Private-Equity-Investitionen seit dem Hoch 2021 um rund 28 Prozent zurückgegangen. Weniger risikotragendes Kapital bedeutet langfristig weniger skalierbare Geschäftsmodelle. Private Equity schließt diese Lücke, indem es Kapital, operative Expertise und langfristige Perspektiven kombiniert.
Hinzu kommt: Unternehmen mit PE-Beteiligung schütten in den ersten drei Jahren nach einem Börsengang nachweislich weniger Gewinne aus. In europäischen Vergleichsstudien liegen ihre Ausschüttungsquoten rund 20 Prozent unter denen eigenständiger Unternehmen. Das Kapital bleibt im Unternehmen und fließt in Wachstum, Forschung und Entwicklung.
Internationalisierung: Deutschlands Mittelstand verliert den Anschluss
Der deutsche Mittelstand trägt nur rund 18,5 Prozent zu den außereuropäischen Exporten bei – ein EU-weiter Tiefstwert. Während Großunternehmen den Exportboom dominieren, verliert der Mittelstand relativ an Bedeutung. Die Ursachen sind strukturell: Internationalisierung erfolgt häufig über Export, selten über eigene Auslandsstrukturen oder gezielte Auslandsinvestitionen.
Private Equity kann diesen Engpass auflösen. Insbesondere Buy-and-Build-Strategien, bei denen ein Plattformunternehmen kleinere Firmen zukauft, ermöglichen nachhaltige Markteintritte, lokale Präsenz und Skalierung. In Märkten wie Skandinavien oder Großbritannien ist dieser Ansatz deutlich stärker verbreitet – und mit überdurchschnittlichem Wachstum verbunden.
Deutschland schöpft sein Potenzial nicht aus
Obwohl Deutschland die größte Volkswirtschaft Europas ist, liegt die Private-Equity-Investitionsquote hier bei lediglich rund 0,22 Prozent des BIP. In Ländern wie Schweden oder Großbritannien investiert die Branche ein Vielfaches. Modellrechnungen zeigen: Würde Deutschlands Private-Equity-Sektor auch nur annähernd das skandinavische Niveau erreichen, könnten bis 2030 rund 100 Milliarden Euro an zusätzlicher jährlicher Wirtschaftsleistung entstehen und die Zahl der Beschäftigten in Portfolio-Unternehmen um 1,3 Millionen auf bis zu 2,9 Millionen ansteigen.
Regulatorik bremst Investitionen
Die Analyse macht deutlich: Demografie, fehlende familieninterne Nachfolger und steigende Komplexität erzwingen ein Umdenken. Zwar werden Private-Equity-Firmen – ausgehend von einem niedrigen Niveau – zunehmend als strategischer Partner der Wirtschaft akzeptiert – regulatorische und strukturelle Hürden verhindern bislang jedoch eine breite Wirkung.
Das Hintergrundpapier identifiziert die regulatorischen Rahmenbedingungen als ein zentrales Hemmnis. Zu viel Bürokratie, steuerliche Unsicherheit bei Fondsstrukturen und die stark umlageorientierte Altersvorsorge erschweren die Mobilisierung institutionellen Kapitals. Vor allem die fehlende Fondssteuerneutralität nach internationalem Standard – die weltweit angewendete Steuertransparenz/-neutralität von VC/PE-Fonds ist in Deutschland weiterhin unsicher – bedroht den Fondsstandort Deutschland.
Appell an die Politik
Marc Thiery, Gründer und Managing Partner der Deutschen Private Equity, fasst die Ergebnisse zusammen: „Die Daten belegen: Private Equity stärkt Beschäftigung, Innovation, Internationalisierung und Kontinuität im deutschen Mittelstand. Angesichts einer historischen Nachfolge- und Transformationsaufgabe in Deutschland, braucht es von der Politik jetzt verlässliche Rahmenbedingungen. Weniger Bürokratie, Fondssteuerneutralität nach internationalem Standard und eine kapitalgedeckte Altersvorsorge, die heimisches Investitionskapital freisetzt – dann kann Private Equity sein volles Potenzial für den Wirtschaftsstandort Deutschland entfalten.“
Handlungsempfehlungen
Das Papier trägt den Titel „Warum Private Equity für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland unverzichtbar ist“ und wurde mit Unterstützung von ESPRIT St. Gallen erstellt. Es formuliert vier zentrale Ansatzpunkte:
– Verschlankung der Regulierung und Abbau bürokratischer Hürden: Reduktion überbordender Dokumentations‑, Melde‑ und Genehmigungspflichten, insbesondere für mittelständische Unternehmen und Fondsstrukturen. Ziel muss es sein, Investitionsentscheidungen zu beschleunigen, Transaktionskosten zu senken und Managementkapazitäten wieder stärker auf Wachstum, Innovation und operative Entwicklung zu lenken.
– Gesetzlich verbindliche Steuerneutralität von VC‑ und PE‑Fonds nach internationalem Standard: Klare und verlässliche Verankerung der steuerlichen Transparenz von Fondsvehikeln, um zusätzliche Besteuerungsebenen zu vermeiden. Nur mit international wettbewerbsfähigen steuerlichen Rahmenbedingungen kann Deutschland dauerhaft globales und heimisches Kapital anziehen und seine Attraktivität als Fondsstandort sichern.
– Stärkere Verankerung von Private Equity als strategische Option für Wachstum und Unternehmensnachfolge im Mittelstand: Systematische Aufklärung und Entstigmatisierung von Beteiligungskapital als partnerschaftliches Unternehmermodell. Private Equity sollte frühzeitig als strategischer Partner für Nachfolge, Transformation, Internationalisierung und Buy‑and‑Build‑Strategien in den unternehmerischen Entscheidungsprozess eingebunden werden.
– Ausbau kapitalgedeckter Altersvorsorge zur Mobilisierung institutionellen Kapitals: Ergänzung des umlagefinanzierten Systems um investierbare, kapitalgedeckte Elemente, die langfristiges inländisches Kapital für Produktivinvestitionen mobilisieren. Internationale Beispiele zeigen, dass leistungsfähige Private‑Equity‑Märkte eng mit starken kapitalgedeckten Vorsorgesystemen verknüpft sind.
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Über Deutsche Private Equity
Deutsche Private Equity (DPE) ist seit 2007 partnerschaftlicher Investor für mittelständische Unternehmen im deutschsprachigen Raum (DACH). Portfoliofirmen unterstützt DPE mit Kapital, Expertise und Respekt für unternehmerisches Handeln dabei, ihr volles Wachstumspotenzial zu realisieren. Der Beteiligungsfokus richtet sich auf fünf Kernsektoren: Business Services, Energy & Environment, Healthcare, Industrial Technology sowie Software & IT Services.
